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Kobi sucht die Sonne – überarbeitete Version

Es war einmal. So beginnen alle Märchen. Der kleine Kobold Kobi sieht gar putzig aus. Kaum 30 cm groß, bekleidet mit einem kleinen Mantel den er sich selbst angefertigt hat. Auch die Mütze die er trägt hat er sich selbst genäht. Er lebt ganz tief drinnen im Wald, da wo die Bäume besonders dicht wachsen. Er lebt in seiner kleinen Waldhütte , die an einem Bach steht. Jeden Tag sitzt er in der düsteren Landschaft und lauscht dem plätschern des Wassers. In diesem Bach.

Jeden Tag verbringt er seine Arbeit, sammelt Holz für den Winter, sucht Nahrung, die ihm der Wald bietet. Aber er ist irgendwie unzufrieden. „Das kann doch nicht alles sein.“ denkt er. „Vielleicht müsste ich einmal durch den Wald spazieren gehen. Schauen ob es noch mehr gibt, außer meiner Hütte. Aber so allein? Durch den finsteren Wald?“ Und während er dem plätschern des Wassers zu hört und nach denkt, begegnete ihm Rudi.
Rudi ist ein Wildschwein. Sie kennen sich schon sehr lange.

„Kobi was ist los mit dir? Du siehst heute irgendwie traurig aus.“ sprach das Wildschwein. „Ach Rudi, Du kommst hier im Wald sehr gut herum. Ich aber lebe hier in meiner Hütte. Tue was ich tun muss. Tagein, Tagaus. Jeder Tag ist irgendwie gleich. Ich überlege nur, ob es außer dem düsteren Wald noch etwas anderes gibt.
Rudi der tatsächlich viel im Wald herum kommt schaut den Kobold verdutzt an. “ Ja klar gibt es noch viel mehr. Jeden Morgen wenn ich durch den Wald spaziere, sehe ich die Rehe auf der Wiese. Jeden Mittag liege ich auf der Lichtung und lasse mich von der Sonne erwärmen. Und ziehe weiter. Und abends sehe ich den Spinnen bei der Arbeit zu, wenn sie ihr Netz neu gestalten.“

Kobi hebt seinen gesenkten Kopf und schaut Rudi an. „Sonne? Was ist das?“ Rudi nimmt sich die Zeit und erklärt es Kobi. Dieser senkt wieder den Kopf. „Die Sonne werde ich wohl nie sehen.“ sagt er leise.
Mit einem Mal hat Rudi eine Idee. „Kobi lass uns doch zusammen los ziehen. Die Sonne suchen. Morgen ganz in der Früh.“
„Das würdest Du tun?“ flüsterte der Kobold. „Ja klar, lass uns morgen einfach los ziehen, die Sonne suchen. Ich kenne den Weg. Es ist gar nicht weit von hier. Und wenn Du magst bleibe ich diese Nacht gleich bei Dir.“
Kobi fand die Idee nicht schlecht und willigte ein.

Am nächsten Morgen waren sowohl der Kobold als auch das Wildschwein sehr früh auf den Beinen. Kobi hatte ein kleines Paket geschnürt, mit essen und trinken. Und sie zogen los. Quer durch den Wald. Rudi der den Weg schon kannte wurde immer schneller. „Halt Rudi“ rief der Kobold „nun lauf doch nicht so schnell.“ Rudi blieb stehen und wartete bis Kobi ihn erreicht hatte.

„Schau mal Rudi, wie hell hier alles ist.“ „Ja ist es auch, weil hier die Bäume nicht so dicht stehen, wie bei Dir zu Hause. Aber komm. Wir haben das Ziel noch nicht erreicht.“

Sie gingen also weiter und kamen an einer großen Wiese an. „Pscht“ sprach Rudi. „Siehst Du das Reh da, auf der Wiese? Jeden Morgen steht es hier“ Kobi sah das Reh erstaunt an. „Und wo ist nun die Sonne?“ „Warte noch einen Moment, es wird nicht mehr lange dauern.“ Kobi setzte sich also ins Gras und fing an sein Paket aus zu packen. Und während die beiden anfingen zu essen, wurde es immer heller und immer heller.
Bis sich ein großer heller Ball am Himmel zeigte. Kobi war wie geblendet von dem vielen Licht.
„Rudi, da schau. Der große helle Ball am Himmel“ „Ja Kobi, dass ist die Sonne. Merkst Du wie warm es wird, wenn sie scheint?“ „Ja“ sprach Kobi und legte sich in grüne Gras. Und schlief ein. Er war doch recht müde von der Wanderung.
Als er wieder auf wachte suchte er Rudi. „Rudi? Wo bist Du?“ Rudi schnüffelte am Wiesenrand herum, während Kobi seine Habseligkeiten zusammen packte. „Rudi ich muss nach Hause, aber weißt Du was? Morgen werde ich wieder hier her kommen. An diesen Platz. Und auf die Sonne warten. Sicher wird es mir dann viel besser gehen, als wenn ich nur in meinem dunklen Wald wohne. Und wenn Du magst, könnten wir uns jeden Tag treffen.“ Auch dem Wildschein gefiel der Gedanke.
Ab diesem Tag ging Kobi jeden Tag, nach getaner Arbeit, auf diese Wiese und genoss die Sonnenstrahlen. Und auch Rudi kam ab und an vorbei. Nur im Winter, da blieben beide zu Hause.

Gabi Pötsch 2019

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